Donnerstag, 20. Dezember 2012

Erwachsenwerden. Ein Selbstversuch.

Die Frage nach der graublau schimmernden, unscheinbaren und gänzlich verschwommen Grenze zwischen Menschen, die Verträge unterschreiben können, Alkohol trinken dürfen und Auto fahren und Kindern Schrägstrich Jugendlichen.

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'Als Erwachsener bzw. Erwachsene werden Menschen nach Abschluss der Adoleszenz bezeichnet. Allgemein geht man davon aus, dass der Erwachsene jene notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse erworben hat, die ihn befähigen, die für sein Leben und Fortkommen notwendigen Entscheidungen selbständig und eigenverantwortlich zu treffen.' Das zumindest antwortet mir Wikipedia auf die Frage, was es bedeutet erwachsen zu sein.
Die 18 habe ich schon seit ein paar Jährchen hinter mir gelassen, aber erwachsener fühle ich mich trotzdem nicht. Nicht so wirklich jedenfalls. Halt um ein paar Erfahrungen reicher. Aber besteht Erwachsensein einfach nur aus Erfahrungen und Entscheidungen, die man auf dem Weg aus dem Kindsein macht? Da muss doch noch mehr dahinter stecken.

Ein viertel Jahrhundert ist schon fast rum und trotzdem hat man das Gefühl, dass das Leben noch gar nicht richtig begonnen hat. Damit meine ich das ganz normale, richtige Erwachsenenleben. Es fühlt sich an wie eine unendlich lange Warteschlange im Supermarkt 'Einmal Leben zum Mitnehmen bitte. Mit einem guten Job, einer großen Liebe und einer großen Portion Lebenserfahrung mit einem Schuss Sicherheit'. Auf dem Weg dahin warten unzählige WG-Partys, Geschnacksel, Schnaps und Fröhlichkeit. Live Life light. Manche stehen ihr Leben lang an. Meistens ganz und gar freiwillig, denn hat man an der Kasse sein Leben eingetütet, sollte man das Kleingedruckte nicht übersehen: Verantwortung, Betriebsweihnachtsfeiern und Steuern.
Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das mit dem Zurückgeben ist auch nicht so leicht! Wer sich schonmal als Erwachsener verkleidet hat und so getan hat, als würde er mit seinem Partner jetzt einen auf erste gemeinsame Wohnung und so machen, der könnte schonmal bemerkt haben, dass das mitunter ziemlich unlustig enden kann. Man kann sich das Erwachsensein eben nicht aufzwingen. Wenn es nicht haften bleiben will, bröckelt es wieder ab. Man kann kleistern, so oft man will. 
Kann man sich also trotzdem als richtiger Erwachsener bezeichnen, wenn man über 18 ist und sich trotzdem in dieser Warteschlange befindet? Oder auf einem Warteschlangenlaufband? Also keinen Zentimenter voran kommt meine ich damit. Wenn man sich für ein Leben entscheidet, das etwas... alternativ ist?

Und dann gibt es ja neben der wie-sehen-mich-andere-Sache, die wie-sehe-ich-mich-Sache und das wie-sehe-ich-die-restliche-Welt-so-Ding.
Meine allergrößte Angst von etwa sechs bis elf Jahren war, dass mich ein böser Mann entführt. Auf dem Schulweg, auf dem Nachhauseweg, auf dem Weg zu einer Freundin, Nachts aus meinem Bett raus. Immer irgendwie. Außer, wenn meine Eltern bei mir waren. (Ja danke übrigens, drei bis vier Storys weniger hätten es wohl auch getan). Ich hab mir immer gedacht: Bitte lieber Gott (jetzt wo ich erwachsen bin glaube ich definitiv nicht mehr an diesen Mann dort oben) mach, dass ich ganz schnell erwachsen werde, damit ich keine Angst mehr vor einem bösen Mann haben muss. Unter normalen Umständen habe ich da auch wirklich mittlerweile keine Angst mehr (kein normaler Umstand ist unter anderem, dass man sich 96 hours angeschaut hat und mit den Freundinnen darüber spekuliert was mit Tanja passiert ist, die vor 8 Jahren auf eine unserer FH Partys verschwunden ist und nie wieder aufgetaucht ist und danach nachts alleine mit dem Fahrrad heimfährt...ähm ja.), wobei ich erwachsene Frauen kenne, die da durchaus immernoch ängstlich sind.
Die Sache mit der Liebe und den Männern ist mir noch genau so ein großes Rätsel wie mit 13 und womöglich auch drei Jahren. Und auch die Frage nach dem Sinn des Lebens steht zuweilen auf dem Nachtprogramm einer weingetränkten Mittzwanzigerrunde. Wie ich mein Leben finanzieren soll und wie ein ganzes Kind in meinen Bauch passen soll, wie ich neun Monate jemals ohne Feierei aushalten und wie ich es schaffen soll noch vor meinem Berufseinstieg wenisgtens 70% der gesamten Welt mit eigenen Augen gesehen haben soll. Tja... das sind nur wenige Fragen, von denen ich erwartet hatte, sie würden sich in Luft auflösen, sobald die 1 vor meinem Alter Adé gesagt hat.
Ich kann mir nicht vorstellen irgendwann keine bunten Fingernägel mehr zu haben oder keinen Adventskalender mehr zu bekommen.
Weinen Erwachsene eigentlich auch manchmal? Ich habe meine Mutter fast 20 Jahre lang nicht weinen sehen. Das alleine wäre schon ein unüberwindbares Hindernis. Sorry, aber wenn einem die Fertigpizza geklaut wird, deren Aufessen wie ein Festmahl zelebriert wird, da die restlichen 363 Tage im Jahr gesund gelebt wird, da krieg' ich schon mal 'nen Heulkrampf. Oder wenn einem achtzehn richtig dumme Sachen am Tag passieren und man dann auch noch auf dem Klo sitzt und es kein Klopapier mehr gibt. Situationen wie diese können einen schonmal den letzten Nerv rauben. Verzweiflung, als ginge es ums nackte Überleben.

Ich kann es mir beim besten Willen bei so machem Mensch nicht vorstellen, aber man sagt ja in jedem steckt ein kleines Kind. Bei manchen kommt es eben mehr zum Vorschein, bei manchen weniger (bis gar nicht).
Und wie fühlt ihr euch so? Ihr Halberwachsenen da draußen?

Kommentare:

  1. Wow...du sprichst mir so aus der Seele! Schön das mal von jemand anderen zu hören. Ein Cheers auf dich und unsere Wirren Mid-20-Gedankengänge ;)

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  2. Oh, dieser Text ist so wunderbar geschrieben und er regt echt zum Nachdenken an, darüber, wer man ist und was man so erreichen will. Genau um dieses Thema ging es bei mir letzte Woche auch des Öfteren. Ich mache mir immer zu sehr Gedanken, um das was da wohl kommt udn was ich am Besten mache, sodass es allen gefällt. aber eigentlich ist doch das Wichtigste, dass es einem selbst gefällt. egal wie alt man ist, man darf immer Kind sein! Man darf auch immer weinen, wenn einem gerade danach ist. wieso nicht? wenn du es unterdrückst, machst du dir selber etwas vor und das bist dann nciht mehr du!
    Ich bin dafür, dass jeder so ist, wie es ihm selbst gefällt, also nichts da, mit Verstellen, weil andere in dem Alter doch schon viel reifer sind, bla bla.. die haben dann sicher nciht so viel Spaß, sondern sind nur frustriert oder so!?
    Also, sei so kindisch, wie du magst! Wein auch ruhig mal in der Öffentlichkeit und den Adventskalender wird es auch immer geben! Wenn ihn dir keiner schenken will, sag Bescheid, dann schick ich dir einen vorbei! ;-)

    Gaanz liebe Grüße und wunderbare Feiertage wünsch ich dir!
    Anna

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  3. Interessantes Thema... Ich bin 17 und alle meine ehemaligen Klassenkameraden und gleichaltrige Freunde haben auf einmal den Führerschein. Fahren mit dem Auto zur Arbeit. Bei mir ist es bald auch soweit. Ich hocke seitdem des öfteren auf meinem Bett und denke mir "oha, irgendwie sind wir alle voll groß geworden!" :D Es kommt mir wie gestern vor, als wir 13-jährigen Mädels SMSen von Jungs analysierten, Make-Up ausprobierten, heimlich rauchten und uns so cool vorkamen in den neuen Jeans. Es wurde gelacht, gelacht, gelacht. Nun treffe ich alte Freunde wieder und sie sind so anders. Man vermisst schon so einiges, aber dennoch freut man sich auf die Zukunft. Und ich denke, ich werde noch mit 30 Spongebob schauen... ;)

    Ich definiere "Erwachsen sein" so: Briefkram erledigen können, ohne Mamas Führung überleben können und Verantworung zeigen. Und ohweh... ohne Mamas Führung und Organisation wäre ich richtig aufgeschmissen...! Wird wohl noch etwas dauern.


    Liebe Grüße und schöne Feiertage! :)

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  4. beautiful and nice, she is looking so cute and nice, appreciated
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