Donnerstag, 11. Oktober 2012

Über spätpubertäres Clubknutschen, die neue Frauenkrankheit und bescheuerte Mehrwollenkomödien

Ob man sich manchmal wünscht noch einmal die Unverbindlichkeiten und die Verantwortungslosigkeiten einer 15-jährigen auszukosten? Ja. Denn es kann herrlich erfrischend sein im Moment zu leben und sich nicht über den Nächsten Gedanken zu machen. In einem völlig überfüllten Hip-Hop-Club spastische Poserbewegungen zu praktizieren, unglaubliche 8,50€ für eine Wodka-Mate zu bezahlen, zu den 10% der weiblichen Gäste zu gehören und somit die Auswahl zu haben, wo doch sonst die absolute Nichtauswahl herrscht. Mit dem schönsten Mann der Welt zu knutschen, bis man die Lippen nicht mehr spürt. Nur noch nasse Haut, die berührt werden will. Und alles auszublenden, vor allem das Beziehungstrauma, das heutzutage in jeden Jutebeutel gestörter Mädchen gehört.
Ja, es hat schon fast etwas Romantisches, alte Teenieerinnerungen wieder aufleben zu lassen. Mit dem Unterschied, dass man damals noch nicht ahnte, wie schön eine Fortsetzung vom nächtlichen Clubknutschen sein kann.
Und wenn man am nächsten Morgen aufwacht - oder Mittag - und endlich das erreicht hat, was man schon seit etlichen Monaten versucht hat (da blinkt plötzlich ein anderer, neuer Name in bunten Billigneonbuchstaben auf unserer Großhirnrinde), entsteht da neben dieser Reanimationsaktion der emotionalen Unabhängigkeit plötzlich und gänzlich unwillkommen eine neue Erkenntnis: Ich bin kein Mann. Und ich will mehr.

mädchenmädchen
1 / 2 / 3 / 4

Warum fällt es uns so schwer mit dem zufrieden zu sein, was wir haben?
Warum wollen wir immer mehr?
Ist das die neue Frauenkrankheit?
Ist es die Emanzipation, die sich seit Jahrzehnten durchzusetzen wagt, die uns den Ansporn gibt, ganz hoch hinaus zu wollen? Oder ist der Grund viel tiefer verankert, so tief, dass er unergründlich scheint?
Egal ob es um den eigenen Körper geht, den eigenen Freund, seine perfekte Beziehung, das Studium, in dem man so gut ist, die unverbindliche Bekanntschaft von Gesternnacht - man will einfach immer mehr.
Spielt man aber nicht den Hauptdarsteller in dieser Mehrwollenkomödie, sondern nur den Zuschauer, während sich andere des Mehrwollens ergeben, wird einem bewusste, wie bescheuert das ganze Theater doch ist. Bei anderen komischerweise, nicht bei einem selbst.

Wann kommt eigentlich endlich die Pille auf den Markt, die unser Denken ein bisschen einfacher, ein bisschen männlicher macht? Unsere Ziele in erreichbarer Entfernung steckt und uns in warme Zufriedenheit wiegt. Die Wecke-den-Mann-in-dir-Pille oder die Ein-bisschen-weniger-Frau-Pille. Aber hätten wir keine Östrogene mehr, dann hätten wir wohl keine Brüste und keine tollen Pos. Und ohne das, gäbe es keine männerfaszinierenden Ärschewackelnden Hiphop-Videos, ohne die es besagte Clubs und besagte Nächte wohl niemals gegeben hätte...

Kommentare:

  1. das hört sich so an als hättest du deinen freund betrogen?!

    aber ich finde es sollte echt so eine pille geben manchmal. aber wirklich nur manchmal

    AntwortenLöschen
  2. das muss man erst lernen. das, mit dem gefühle ausschalten.

    AntwortenLöschen
  3. Toll geschrieben. Kann mich da sehr mit identifizieren.

    AntwortenLöschen
  4. haha so gut! der text ist perfekt!

    AntwortenLöschen
  5. Wunderbar geschrieben, du hast echt talent.
    Ist schon gut so, wie es ist. Mehr zu wollen, ist ja kein Fehler.
    Und ich denke nicht, dass jeder Mann so "einfach gestrickt" ist..

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...